Der Historiker

Eugen Brosch-Fohraheim, Leiter der GeschichtsWerkstatt, beleuchtet in seiner Kolumne "Der Historiker" im Museumsjournal ab 2024 jede Ausgabe ein historisches Thema. Hier gibt es den Beitrag in Eugen's Originalfassung und in Originallänge mit Anmerkungen zum Nachlesen!

Ein Licht geht auf – das Friedenslicht!

Rückblick auf den zarten Beginn einer europaweiten Aktion der Pfadfinder

 

Wer vor Weihachten die erhebende „Friedenslichtfeier“ mit den Pfadfindern aus aller Herren Länder besucht, sollte sich bewusst sein, dass ein Teil des Erfolges dieser weltweit einzigartigen Aktion auch auf das Engagement der Pfadfinder zurückzuführen ist.

 

Eine wesentliche Voraussetzung für das „Friedenslicht“ war die erstmals 1973 in einer einstündigen Sendung in Radio NÖ [1] durchgeführte vorweihnachtliche Spendenkampagne von „Licht ins Dunkel“. Seit 1978 wird diese ORF-Aktion auch im Fernsehen durchgeführt.[2] Initiiert hatte diese der ehemalige „Georgsritter“ der Gruppe „Wien 61-St.Michael“ und damalige ORF-Landesintendant von Niederösterreich Kurt Bergmann[3]. Diese Aktion ergänzte auf Initiative von Dr. Helmut Obermayr 1986 das ORF-Landesstudio Oberösterreich erstmals mit dem „Friedenslicht aus Bethlehem“. Dabei wurde von einem Kind aus Oberösterreich in der Geburtsgrotte von Bethlehem ein Licht entzündet und per Flugzeug der Austrian Airlines nach Österreich gebracht und hier mit Unterstützung der Österreichischen Bundesbahn an vielen Bahnhöfen verteilt [4].

 

Vor Weihnachten 1988 machte eine Nachbarin Ing. Herbert „Bertl“ Grünwald mit der Frage, ob sie ihm das „Friedenslicht von Bethlehem“ vom Bahnhof mitbringen soll, auf diese Aktion erstmals aufmerksam[5]. Auf der Suche nach einer „Weihnachts-Aktion“ für die PPÖ-Kolonne III machte Bertl Grünwald den Vorschlag das „Bethlemhemslicht“ zu unterstützen, denn es passte genau zum Pfadfinderversprechen, der „weltweiten Verbundenheit“ und zum 1.Punkt des Pfadfindergesetzes - „ … sucht den Weg zu Gott“. Gesagt getan nahm Bertl Kontakt mit ORF-Oberösterreich Kontakt auf.

 

Unter dem Titel „Bethlehemslicht-Aktion 1989“ wurden die Wiener Pfadfindergruppen von „Bertl+Team Kol.III“ zur Beteiligung eingeladen, um „ein Zeichen weihnachtlichen Friedens und der Versöhnung in unserer Stadt“ zu setzen. Vorgeschlagen wurde die Verteilung des Lichts durch Pfadfinder am 24.12. „im Heim, vor Kirchen, an großen Straßenkreuzungen, in Parks, an wichtige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens etc.“ [6] An die Wiener Gruppen und vier damals in Wien bestehenden Exil-Pfadfindergruppen wurde das „Licht“ am Wiener Westbahnhof am 22.12.1989 ausgegeben[7]. Auch das erste Logo wurde bereits damals präsentiert. Mehr als 23 Wiener Gruppen – rd. ein Drittel der Wiener Gruppen - nahmen an der Aktion teil und verteilten am 24.12. das „Bethlehemslicht“. In der sehr beliebten Radiosendung „Autofahrer unterwegs“ mit Moderator Kurt Wolff-Votava konnte das „Friedenslicht“ von Pfadfindern aus Wien und vier verschiedenen Ländern[8] vorgestellt werden. In der TV-Sendung „Wien-aktuell“ wurde am 22.12.1989 über die Friedenslichtverteilung berichtet[9]. „Der „Zusammenbruch“ des kommunistischen Ostblocks und die dadurch wieder aufkeimende Pfadfinderbewegung im Osten unterstützte die Aktion zusätzlich. So wurde bereits im ersten Jahr der Aktion das „Bethlehemslicht“ auch nach Tschechien, Polen, Ungarn und Rumänien weitergeleitet und verteilt werden. [10] Die Wiener Pfadfindergruppen sammelten dabei rd. ATS 23/m, die der Aktion „Licht ins Dunkel – Rumänienhilfe“ zugeführt werden. [11]

 

Der nächste Schritt erfolgte mit einer zentralen Übergabe des „Bethlehemslichts“ durch den Generaldirektor der ÖBB am Wiener Westbahnhof am 21.12.1990. Erstmals nahmen auch Pfadfindergruppen aus Tirol und Vorarlberg teil. [12]  Während die Ausweitung des Verteilungskreis in die ehemaligen Ostblockstaaten – inklusive der ehemaligen DDR - explosionsartig erfolgte, erwies sich diese in westlichen Staaten Europas als steiniger. Als erster kleiner Schritt erweiterte sich Runde der „Friedenslichtstaaten“ nach Hamburg. [13].

 

Aus organisatorischen Gründen fand am 21.12.1991 die Übergabe des „Lichts“ zur Verteilung am 24.12. im Heim der PPÖ-Gruppen „Wien 6-Hl.Barbara“ und „Wien 7 – Rudolf von Habsburg“ in der Veithgasse 9 statt. Neben den bereits in den vergangenen Jahren beteilten Ländern kam nun Jugoslawien und Passau dazu. [14]

 

Die „interne Bethlehmslicht-Verteilung“ erfolgte am 22.12.1992 wieder im Heim der PPÖ-Gruppen „Wien 6-Hl. Barbara“ und „Wien 7-Rudolf von Habsburg“ und wurde erstmals von einer Plakat-Aktion der GEWISTA unterstützt. Der Kreis der Länder in die das Licht verteilt wurde konnte um Kroatien, Bosnien-Herzogowina und Italien erweitert werden.[15] Am 28.05.1993 wurde in Würdigung seiner Verdienste um das „Friedenslicht“ Bertl Grünwald von P. Hans Hermann Kardinal Groer OSB das „Ehrenzeichen vom Hl.Stephanus der Erzdiözese Wien in Silber“ verliehen.[16] Als „Sachbearbeiter Lichtaktion der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“ nahm nun Bertl Grünwald seine Tätigkeit für den Wiener Landesverband der PPÖ für das „Friedenslicht“ wahr [17].

 

Als erster Erfolg in Richtung Ausweitung nach Westeuropa beteiligte sich Liechtenstein 1993 erstmals an der Aktion. Am 18.12.1993 – de facto zum 5-jährigen Jubiläum - wurde in der Kypta der Schottenkirche erstmals eine „Ökumenische Lichtfeier“ unter der Mitwirkung von Bischofsvikar Msgr. Anton Berger, Superintendent Mag. Werner Horn und Erzpriester Dr. Nikola Dura zur Verteilung des „Bethlehemslichtes“ zelebriert. [18]

 

Um die Sache weiter zu fördern nahm Bertl Grünwald im November 1994 als Vertreter der PPÖ an Stelle von BFM Franz Dunshirn an einer Konferenz des IOCS (= Intern. Office of Catholic Scouting) teil, präsentierte hier das „Friedenslicht“[19] und konnte so einen weiteren Schritt zur Verbreitung der „Friedenslicht-Aktion“ nach West- und Südeuropa erreichen.

 

Post Scriptum: Nach wie vor suche Personen, die beim „Ungarn-Einsatz“ 1956 bzw. die 1978/79 bei Lagern mit den polnischen Pfadfindern des ZHP in Österreich oder Polen dabei waren, für künftigen Artikel. Meine E-Mail-Adresse: eugen(dot)brosch-fohraheim(at)chello(dot)at

 

 

[1]   https://lichtinsdunkel.org/der-verein/wer-wir-sind/geschichte/; Stand: 21.02.2025

[2]     https://de.wikipedia.org/wiki/Licht_ins_Dunkel; Stand : 21.02.2025

[3]   Kurt Pribich: „Österreichischer Who is Who in Scouting & Guiding”, Wien 2014

[4]   „5 Jahre Friedenslichtaktion der österreichischen Pfadfinder und Pfadfinderinnen – 1989-1993“, Beilage zum PPÖ-Brief, Wien 1993

[5]   Vortrag von Bertl Grünwald im Rahmen der Pfadfindergeschichtswerkstätte am 23.11.2024

[6]   „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Dezember 1989, Seite 3

[7]   Hannes Leopoldseder, Helmut Obermayr (Hrsg.): „Das Friedenslicht“, Linz 1990, Seite 42

[8]   Bertl Grünwald: „Die Pfadfinder bringen das Friedenslicht in 14 Länder“ in: Helmut Obermayr (Hrsg.): „Friedenslicht aus Bethlehem“, Linz 1996, Seite 42

[9]     Schreiben der Wr.Pfadfinder und Pfadfinderinnen an den ORF vom 18.1.1990

[10] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Februar 1990, Seite 9

[11] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, März 1990, Seite 13

[12] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Februar 1991, Seite 11

[13] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Mai 1991, Seite 13

[14] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Mai 1992, Seite 14

[15] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Feber 1993, Seite 10/11

[16] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Februar 1995, Seite 10/11

[17] „5 Jahre Friedenslichtaktion der österreichischen Pfadfinder und Pfadfinderinnen – 1989-1993“, Seite 3, Beilage zum PPÖ-Brief, Wien 1993

[18] „Gut Pfad – Mitteilungsblatt der Wiener Pfadfinder und Pfadfinderinnen“, Dezember 1993, Seite 27

[19]   „Bericht zur Friedenslicht-Aktion 1994“, Wien 1994

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